Systemtherapie
Interdiziplinäre Tumorkonferenz
Nach Vorlage der Histologie (Ergebnis der mikroskopischen Beurteilung des Tumorgewebes durch den Pathologen) wird im Rahmen unserer wöchentlichen onkologischen Konferenz gemeinsam mit den Kollegen aus verschiedenen Fachdiziplinen (Senologie, Gynäkologie, internistische Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie, Pathologie etc.) entschieden, welche der nachfolgenden Therapieformen zum Einsatz kommen sollen.
Diese Entscheidung hängt in erster Linie von klinischen (exakte Größe des Knotens, Anzahl der befallenen Lymphknoten, Differenzierungsgrad, Nebenerkrankungen einer Patientin) und biologischen Eigenschaften (Hormon- und Wachstumsfaktor-Rezeptorenbesatz, Invasionsfaktoren (PAI-1, UPA), genetischen Prognosefaktoren usw.) des Tumors ab.
Diese Faktoren werden interdisziplinär diskutiert, damit jede Patientin eine maßgeschneiderte Therapieempfehlung bekommt.
Zeitgleich mit der Interdisziplinären Tumorkonferenz erstellen wir mit SenoExpert für jede unserer Brustkrebs-Patientinnen eine individuelle Gesamtanalyse der wissenschaftlich aktuellsten Daten mit Ausarbeitung einer umfassenden Therapieempfehlung für das weiterbehandelnde Ärzteteam, die auch die Empfehlungen aus dem Bereich der integrativen Onkologie / Naturheilkunde beinhaltet.
Systemtherapie
Moderne Untersuchungen konnten zeigen, dass der Brustkrebs nicht nur eine lokale, sondern auch eine systemische Erkrankung ist, die sich auf das gesamte Organsystem auswirken kann. Somit sind in den meisten Fällen, neben den lokalen Methoden der Operation und Bestrahlung, auch die Therapieformen wichtig, die im ganzen Körper wirken können, um neben dem lokalen Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) auch einen systemischen Rückfall (Metastasen) zu verhindern.
Hierzu zählen neben der Chemo- und Antikörper-bzw. Immuntherapie auch die Antihormontherapie.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, die den gesamten Organismus einbezieht. Hiermit können auch bereits verstreute Krebszellen erreicht werden. Die verabreichten Zytostatika (Zellgifte) wirken besonders auf die sich schnell vermehrenden Krebszellen und töten sie ab. Zytostatika greifen in den Teilungsprozess von Zellen ein, indem sie gezielt deren Vermehrung stoppen.
Chemotherapien werden üblicherweise ambulant und nach einem Schema mit festen Zeitabständen, auch Zyklen genannt, verabreicht. Dabei werden Medikamente einzeln oder in Kombination, meist als Infusion oder Injektion, manchmal auch in Tablettenform verabreicht.
Nebenwirkungen:
Zytostatika wirken auf alle Zellen, die sich schnell teilen. Dies sind leider nicht nur Krebszellen, sondern auch Blutzellen, Zellen des Verdauungstraktes, der Eierstöcke und der Haarwurzeln. Als Nebenwirkungen von Zytostatika können Haarausfall, Übelkeit, Fieber, Erbrechen und Durchfall oder auch Haut- und Schleimhautreizungen auftreten. Diese Nebenwirkungen klingen nach Abschluss der Chemotherapie wieder ab.
Moderne Medikamente, die prophylaktisch verabreicht werden und naturheilkundliche Maßnahmen können helfen, dass diese Nebenwirkungen erst gar nicht oder nur in abgeschwächter Form auftreten.
Neoadjuvante Therapie
Bei großen Tumoren oder Tumoren mit entzündlicher Komponente kommt einer präoperativen oder neoadjuvanten Hormon- oder Chemotherapie eine große Bedeutung zu. Diese hat zum Ziel, den Tumor bereits vor einer Operation zu verkleinern oder sogar ganz zu beseitigen. In jedem Fall muss sich aber eine Operation anschließen. Manchmal wird durch eine neoadjuvante Therapie eine brusterhaltende Therapie ermöglicht, die vorher aufgrund der Ausgangs-Tumorgröße nicht möglich gewesen wäre. Ein weiterer Vorteil ist zudem die Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie für diesen Tumor, da die Abnahme der Tumorgröße in regelmäßigen Abständen ausgewertet wird.
Die neoadjuvante Therapie ist ein klinischer Schwerpunkt unseres Zentrums.
Antikörpertherapie / Immuntherapie
Die Antikörpertherapie, auch Immuntherapie genannt, bekommt einen zunehmend wichtigeren Stellenwert bei der Krebsbehandlung, da diese Therapie gezielt (targeted therapy) auf individuelle Besonderheiten des Tumors abgestimmt ist.
Bei etwa einem Viertel der Patientinnen mit Brustkrebs ist auf der Oberfläche der Tumorzellen eine bestimmte Bindungsstelle für Wachstumsfaktoren in übermäßig großer Anzahl nachweisbar, der sogenannte Her2neu-Rezeptor.
Derartige Tumoren haben eine erhöhte Wachstumsrate und können mit den Antikörper-Medikamenten gezielt therapiert werden.
Antihormontherapie
Rund 70% aller Brustkrebse entstehen unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone. Das bedeutet, dass die Krebszellen auf ihrer Oberfläche bestimmte Andockstellen für Hormone haben (Hormonrezeptoren), die für die weitere Behandlung von großer Bedeutung sind. In der feingeweblichen Untersuchung wird geprüft, ob die Krebszellen hormonabhängig sind.
Die Anti-Hormontherapie gilt bis heute als eine der besten zielgerichteten und nebenwirkungsärmeren Therapieoptionen in der Onkologie. Diese Therapie wird in der Regel in Tablettenform über fünf bis zehn Jahre gegeben. Zur Antihormontherapie bei Brustkrebs stehen verschiedene Wirkmechanismen mit verschiedenen Medikamenten zur Verfügung. Welche Therapieoption für Sie die Bestwirksamste ist, wird aufgrund von mehreren Charakteristika (vor allem Alter, Kinderwunsch, Begleiterkrankungen) immer individuell entschieden.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie spielt eine wichtige Rolle bei der fachübergreifenden (interdisziplinären) Behandlung des Brustkrebses. Die Operation und die Strahlentherapie zusammen sind für die lokale Sicherheit von großer Bedeutung.
Grundsätzliches Ziel der Bestrahlung ist es, eventuell nach dem operativen Eingriff noch in der Brust, der Brustwand oder in den Lymphabflusswegen verbliebene Tumorzellen zu zerstören.
Auch für die Strahlentherapie wird in der Tumorkonferenz ein individuelles Behandlungskonzept erstellt. In der SenoExpert-Gesamtanalyse wird außerdem für jede unserer Patientinnen eine strahlentherapeutische Empfehlung gegeben.
