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Zentrum fr Regionale Tumortherapie (DIZERT)

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Regionale Chemotherapie

Regionale Chemotherapie

Die gesunde Leber bezieht ihre Blutversorgung zu 80 % aus der Pfortader, die nährstoffreiches Blut aus dem Darm in die Leber führt. Daneben hat die Leber eine eigene arterielle Versorgung, die jedoch nur zu bis zu 20 % für die Blutversorgung der Leber zuständig ist. Lebertumore versorgen sich bis zu einer Größe von 2-3 mm, in dem sie Nährstoffe aus der Umgebung ziehen. Wenn diese Größe überschritten wird, kommt es zu einer Gefäßneubildung, indem die Tumore Botenstoffe aussenden, die zu einem Gefäßneuwachstum führen (Neoangiogenese). Die Blutversorgung der Tumore erfolgt aber im Gegensatz zum normalen Lebergewebe zu über 80 % aus der Leberarterie. Daher ist es möglich, über einen arteriell eingebrachten Katheter Tumore gezielt mit Chemotherapie in hoher Konzentration und unter Schonung der gesunden Leber und reduzierten Nebenwirkungen zu behandeln. Der regionale Konzentrationsvorteil für bestimmte Zytostatika kann dabei ein Vielfaches gegenüber der systemischen Therapie liegen. So können Ansprechraten gesteigert werden und eine Chemoresistenz durchbrochen werden.

 

Diese Chemoperfusion (TACP) kombinieren wir in der Regel mit einer Chemoembolisation (TACE) im unmittelbaren Anschluss an die Chemoperfusion, um auf diese Weise zwei zytotoxische Verfahren zu kombinieren und damit den Effekt zu verstärken.

Indikation

bei allen Patienten mit prognostisch führender und keiner oder zumindest zuletzt stabiler sonstiger Metastasierung außerhalb der Leber, insbesondere wenn die Leberwerte erhöht sind und eine Chemoembolisation nicht in Betracht kommt.

Nebenwirkungen

Da trotz der oben beschriebenen Blutversorgung Kurzschlussverbindungen zwischen Leberarterie und Lebervene bestehen, können theoretisch systemische Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit, Haarausfall, Blutbildveränderungen etc. auftreten. Passagere Erhöhung der Leberwerte können auftreten sind aber meist nicht anhaltend. Eine dauerhafte Schädigung der Leber durch die Chemotherapie ist selten, muss aber bei vorbestehender ausgeprägter Einschränkung der Leberfunktion bedacht werden. Bei nicht-anatomischen Gallengangsverhältnissen, z.B. nach OP oder liegende Gallengangsdrainage besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. Solche Patienten werden grundsätzlich prophylaktisch antibiotisch behandelt.

Ablauf

Nach Prüfung der Indikation und Ausschluss von Kontraindikationen und ausführlicher Aufklärung über die Verfahren, erfolgt ähnlich einer Herzkatheteruntersuchung, in der radiologischen Abteilung unter Durchleuchtung die Anlage eines Katheters über die Leiste in die Leberarterie. Bei sicherer Katheterlage erfolgt dann die Therapie. In der Regel erfolgt die Perfusionsbehandlung über 48 h, kann jedoch bei bestimmten Indikationen, z. B. Melanomen auch nur 1 bis 2 Stunden dauern. Nach Abschluss der Behandlung wird der Katheter entfernt und der Patient mit einem Druckverband, der 6 bis 8 Stunden liegen sollte, auf die Station zurückverlegt. Bei unkompliziertem Verlauf ist eine Entlassung am Folgetag möglich. Eine Wiederholung der Maßnahme sollte, je nach Ansprechen, nach 6 bis 8 Wochen erfolgen.