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Institut für Naturheilkunde, Traditionelle Chinesische und Indische Medizin

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Das Cantharidenpflaster

Was versteht man unter einer Therapie mit einem Cantharidenpflaster?

Das Cantharidenpflaster gehört unter den ausleitenden Verfahren zu den "blasenziehenden" Mitteln (Vesikantien), die in unterschiedlicher Art und Weise seit Jahrtausenden verwendet wurden. Verwendet wird ein Cantharidenextrakt, welcher aus der "Spanischen Fliege" (Lytta vesicatoria) einer Laufkäferart stammt. Bei der Behandlung chronischer Beschwerden an der Wirbelsäule und Gelenken ist das Cantharidenpflaster ein sinnvolles Therapiemittel.

Geschichte und Wirkweise des Cantharidenpflasters

Lokale Hautreizende und hyperämisierende Mittel aus dem Pflanzen- und Tierreich sind aus den verschiedensten Medizinkulturen bekannt über-liefert. Der Cantharidenextrakt wurde unter anderem von Ärzten des römischen Reiches systematisch verwendet.

 

Der bekannte Arzt und Heilkundige PARACELSUS (1493 -1541) maß dem Cantharidenpflaster insbesondere bei verschiede-nen Schmerzzuständen einen hohen Stellenwert bei. Denn "wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe anhäufen und ausleeren. Wo sie dies nicht selbst fertig bringt, dort lasse man diese über die Haut heraus."

 

Wegen seines starken Effektes auf das Lymphsystem wird die Therapie mit dem Cantharidenpflaster auch "weißer Aderlass" genannt. Postuliert werden eine antiödematöse (abschwellende), eine antiphlogistische (entzündungs-hemmende), eine immunologische und eine hyperämisierende (durchblutungs- fördernde) Wirkung.

 

 

Bei welchen Erkrankungen hilft das Cantharidenpflaster?

Hauptindikationen:

  • Wirbelsäulenleiden
  • Gelenkleiden

 

Nebenindikationen:

  • Tumorschmerzen (isolierte Knochenmetastasen)
  • Verschiedene HNO-Erkrankungen (z.B. chronische Mittelohr-entzündung (otitis media)
  • u. a. m

Wann darf eine Behandlung nicht durchgeführt werden?

  • Akute Blasen- oder/und Nierenbeckenentzündung (Zystitis oder
    Pyelonephritis) sowie Glomerulonephritis wegen uro- bzw. nepho-
    toxizität
  • Gangrän
  • Stauungsödeme
  • Arterielle Durchblutungsstörungen (Mikro- und Makroangiopathien)
  • Alle unklaren Hautveränderungen
  • Nicht bei akut entzündeten Gelenken, nicht bei offenen Wunden, auf
    Schleimhäuten oder in Gelenkbeugen
  • Zurückhaltung bei dunklen, pigmentreichen Patienten (Cave:
    Hyperpigmentierungen)
  • Bei akuten und chronischen Systemerkrankungen nur nach
    sorgfältiger Abwägung
  • Bei erheblichen Wundheilungsstörungen und Tendenz zu über-
    schießender Narbenbildung

Ist die Therapie schmerzhaft, gibt es Nebenwirkungen?

Die Phase der Blasenbildung ca. 2-4 Std. nach Pflasteranlage ist schmerzhaft. Es kann bei Bedarf ein Schmerzmittel eingenommen werden. Das Pflaster wird ca. 16 Std. belassen. Dann wird die Flüssigkeit in der Blase steril abpunktiert und die Stelle steril und trocken verbunden.

 

Folgende Nebenwirkungen sind möglich:

  • Lokale Entzündungen (deshalb keine vorzeitige oder unsachgemäße Pflasterentfernung)
  • Pflasterallergie
  • Harnblasenreizungen (z.B. hämorrhagische Reizblase), evtl. medika-
    mentöse Prophylaxe
  • Schädigung der Niere (nephrotoxische Wirkung) bei größeren
    Mengen Cantharidinextrakt
  • Hyperpigmentierungen (= dunkle Verfärbung) des behandelten
    Hautbezirks.